Sommerzeit ist Ferialpraktikantenzeit

Auch in diesem Jahr wollen Schüler bzw. Studenten speziell in der Ferienzeit wieder etwas dazuverdienen! Wo liegen die großen Unterschiede zwischen einem Volontär, Ferialpraktikanten und einem Ferialarbeitnehmer?

Der Volontär absolviert ausschließlich zu Ausbildungszwecken ein betriebliches Praktikum ohne Arbeitsverpflichtung und ohne Entgelt. Für den Volontär besteht keine schulische Ausbildungsverpflichtung im Gegensatz zum Ferialpraktikanten, die im Rahmen des Lehrplans der Schule bzw des Studienplans der Universität zu einer praktischen Ergänzung ihrer theoretischen Ausbildung angehalten sind.

Kennzeichen eines Volontärs:

  • Keine Arbeitsverpflichtung, das heißt auch keinen Rechtsanspruch auf Entgelt.
  • Nicht an feste Arbeitszeiten gebunden.
  • Er ist nicht im Betrieb eingegliedert.
  • Kein Weisungsrecht des Arbeitgebers – außer hinsichtlich Arbeitssicherheit!

Der Volontär ist vor Antritt der Tätigkeit bei der Allgemeinen Unfallversicherung (AUVA) anzumelden und am Ende der Tätigkeit binnen 7 Tagen wieder abzumelden.
Wird ein Taschengeld bzw. Entgelt ausbezahlt unterliegt der Volontär den Bestimmungen des ASVG. Es liegt somit ein Dienstverhältnis vor und er ist bei zuständigen Gebietskrankenkasse, innerhalb der gesetzlichen Frist an- bzw abzumelden. Es gegebenenfalls auf kollektivvertragliche Reglungen zu achten.

(Echte) Ferialpraktikanten sind Schüler bzw. Studenten, die im Rahmen des Lehrplans einer mittleren oder höheren Schule, einer Akademie oder einer Hochschule einer vorgeschriebenen oder aber auch nur einer praktischen Tätigkeit nachgehen ohne dafür Geld- und/oder Sachbezüge erhalten.

Das Ferialpraktikum ist nicht nur auf die Ferienzeit (Sommerzeit) beschränkt, sondern kann während des ganzen Jahres absolviert werden.

Folgende Kriterien kennzeichnen eine Beschäftigung als (echten) Ferialpraktikanten:

  • Es muss sich nachweislich um Schüler bzw. Studenten einer bestimmten Fachrichtung handeln und dass sie im Betrieb entsprechenden der Fachrichtung verwendet werden.
  • Im Mittelpunkt seiner praktischen Tätigkeit steht der Lern- und Ausbildungszweck des betreffend Schultyps bzw. Studienordnung und nicht die Arbeitsleistung im Betrieb.
  • Die Dauer des Praktikums richtet sich nach den jeweiligen Ausbildungsvorschriften und derDienstgeber hat einen Nachweis über die Ausbildungserfordernisse aufzubewahren.
  • Der Praktikant erhält dafür keine Geld- und/oder Sachbezüge, es besteht auch diesbezüglich kein arbeitsrechtlicher Anspruch, da weder eine organisatorische Eingliederung im Betrieb,noch eine persönliche Arbeitspflicht besteht.
  • Keine Weisungs- und Kontrollunterwerfung. Die Sicherheitsvorschriften des Betriebes sindjedoch zu befolgen!

Steht bei dem Praktikum ausschließlich der Lern- und Ausbildungszweck im Vordergrund und es besteht keine Arbeitspflicht und keine Ein- und Unterordnung in den betrieblichen Ablauf, so handelt es sich hierbei um kein echtes Dienstverhältnis. Der Ferialpraktikant ist kein Arbeitnehmer im arbeitsrechtlichen Sinn und für Ihn gelten daher auch keine arbeitsrechtlichen Bestimmungen:

  • Urlaubsgesetz (UrlG)
  • Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG)
  • Angestelltengesetz oder Kollektivvertrag.

Ferialarbeitnehmer sind Schüler bzw Studenten, die in der Ferienzeit etwas dazuverdienen möchten. Das Ferialpraktikum wird im Form eines Dienstverhältnisses absolviert, wobei der Ferialarbeitnehmer den kollektivvertraglichen und gesetzlichen Bestimmungen unterliegt. Das heißt, es besteht eine persönliche Abhängigkeit zum Arbeitgeber, die Einordnung in den Betriebsorganismus. Er unterliegt der Weisung des Arbeitsgebers in Hinblick auf Arbeitszeit, Arbeitsort und Art der zu verrichtenden Tätigkeit. Der Ferialarbeitnehmer ist aufgrund einer vertraglichen Vereinbarung mit dem Arbeitgeber zur Arbeitsleistung verpflichtet.

Bereits eine leichte Hilfstätigkeit im Interesse des Betriebes, wie zum Beispiel das Beschriften von Ordnern oder Lagerware etikettieren, schließt das Vorliegen eines echten Ferialpraktikums aus! Der Ferialarbeitnehmer ist daher wie alle anderen Arbeitnehmer in einem Angestellten- oder Arbeitsverhältnis zu behandeln. Das heißt:

  • Entlohnung inklusive anteiliger Sonderzahlungen laut Kollektivvertrag.
  • Urlaub bzw Urlaubsersatzleistung bei Beendigung des Dienstverhältnisses.
  • Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.
  • Beiträge an die betriebliche Vorsorgekasse bei einem Dienstverhältnis länger als 1 Monat, sofern nicht bereits innerhalb der letzten 12 Kalendermonate zu diesem Unternehmen ein beitragspflichtiges Beschäftigungsverhältnis begründet war, sind die Beiträge an die betriebliche Vorsorgekasse sofort am dem 1. Tag abzuführen.
  • Einhaltung der Kündigungsfrist laut Kollektivvertrag, sofern nicht von vornherein ein befristetes Dienstverhältnis (Praktikum) abgeschlossen wurde
  • Ausstellung eines Dienstzettels bei unbefristeter oder länger als einmonatiger befristeter Ferialarbeit.

Zusammenfassung – Beginn Ferialpraktikum – Beginn Ferialarbeitsverhältnis: Was ist zu tun?

FerialpraktikantFerialarbeitnehmer
Nachweis der IdentitätJAJA
Schriftlicher Arbeitsvertragist empfehlenswert, aber nicht zwingend notwendigist empfehlenswert, aber nicht zwingend notwendig
Ausstellung DienstzettelNEINJA (DV > 1. Monat, unbefristetes DV)
Anmeldung GKK
  • Wenn kein Entgelt, NEIN
  • Wenn geringfügiges Taschengeld, Anmeldung zur Unfallversicherung
  • Wenn Entgelt über der Geringfügigkeitsgrenze, Anmeldung zur Vollversicherung
JA
Meldung BetriebsratNEINJA
Anlage von AZ-Aufzeichnungen, ÜberstundenaufzeichnungenNEINJA
Anlage eines Lohnkontos
  • Kein Anspruch auf Entgelt, NEIN
  • Anspruch auf Entgelt, JA
JA

Achtung, immer den jeweiligen Kollektivvertrag prüfen!
Der Kollektivvertrag kann etwas Anderes sagen, dass Ferialpraktikanten wie Arbeitnehmer zu behandeln sind. Diese Ferialpraktikanten unterliegen den gesetzlichen und entsprechenden kollektivvertraglichen Bestimmungen über Entlohnung, Entgeltfortzahlung, Urlaub etc.
Zum Beispiel die Praktikanten im Hotel- und Gastbewerbe begründen immer ein Dienstverhältnis.

Für Beratungen stehen wir selbstverständlich sehr gerne zur Verfügung!

Das Dokument soll einen Überblick verschaffen und es besteht keine Garantie auf Vollständigkeit.